Sprungbrett 2001
Frösche weinen nie!
oder Ich bin doch kein Kind mehr!
Darf ich mich vorstellen? Ich bin Eddi, die edd-Maus! Ich will dir heute mal etwas ganz Außergewöhnliches erzählen… bist du bereit?…
… also, in den Herbstferien habe ich Montags am Bahnhof in Aschaffenburg eine ganz komische Gruppe gesehen. Da standen so 17 junge Leute in der Halle, die alle Koffer und Taschen dabei hatten. Das ist ja noch nichts ungewöhnliches, aber drei von ihnen, die etwas älter aussahen als der Rest, hatten Schwimmärmel dabei. Da wunderte ich mich schon ganz schön drüber, also hab ich mir gedacht, das wird bestimmt spannend und da hab ich mich in eine Reisetasche gesetzt und bin einfach mit denen gefahren.
Im Zug kam aber noch nicht so richtige Stimmung auf – ich hab gemerkt, dass die sich wohl noch nicht alle kennen. Naja, irgendwann sind wir dann in Münnerstadt ausgestiegen und sind zum Jugendhaus am Dicken Turm gelaufen.
Da warteten dann noch mal zwei Leute auf meine Reisegruppe. Alle begrüßten sich und dann wurden die Zimmer verteilt und die Taschen ausgepackt.
Da bin ich dann auch blitzschnell aus meinem Versteck geschlüpft und hab mich schon mal in den Gruppenraum verzogen.
In dem Raum haben sich dann ziemlich bald alle getroffen und die haben dann so komische Spiele gemacht und ein Mann, der ritterliche Richard, hat erklärt, wie die Zeit hier so aussehen wird und was so gemacht wird. Da hab ich dann erst mal mitgekriegt, wo ich da gelandet bin: beim Sprungbrett; das ist so ne Woche für 14-15 jährige, unter dem Motto Ich bin doch kein Kind mehr!
Durch die Steckbriefe, die die Kinder (?, keine Ahnung, ob sie da noch Kinder waren) ausgefüllt haben, erfuhr ich einiges über die einzelen Teilnehmer. Warum sie hier sind, was sie tun würden, wenn sie König von Deutschland wären,…
Nach einem leckeren Abendessen (Spaghetti!!!) gings dann aber auch schon richtig mit dem Thema los… jeder sollte sich Gedanken zu seiner Kindheit machen, was da schön war und was schwierig,…
Und dann hat jeder noch ne Raupe gemalt. Das sollte ein Zeichen für die Kindheit sein, aus der sich dann der Schmetterling (die Jugend!) entwickelt.
In kleinen Gruppen haben sich dann alle über ihre Kindheit unterhalten, und die hatten da richtig ihren Spaß dabei und ich konnte richtig sehen, wie die einzelnen Leute plötzlich angefangen haben, sich näher kennenzulernen.
Was mich später aber ein bisschen erschreckt hat, war das Mörder-Spiel. Ab diesem Zeitpunkt hatte nämlich jeder ein Opfer, und nun hieß es Morden, Morden, Morden… aber das hatte auch seine Vorteile, denn nun schlich niemand mehr allein durchs Haus, sondern man sah immer mindestens zwei zusammen. Echt ein toller Trick von den Teamern.
Die hatte ich inzwischen auch mal ein bisschen beobachtet. Da gabs den Richard, der das Ganze beruflich macht und die Caroline, die Sabrina und der Clemens, die ihn dabei unterstützten und nicht zu vergessen die Bea, die für das leckere Essen zuständig war.
Die fünf hatten so richtig ihren Spaß und halfen den Kindern beim Sprung zur Jugend.
Am nächsten Tag war dann die Jugend und der Schmetterling dran. Dazu wurde natürlich gleich mal Schmetterlings-Fangen gespielt, damit alle wach wurden. Denn die Nacht war für viele ziemlich kurz, da sie Ligretto, Bohnanza oder Wizard spielten, oder im Polsterzimmer rumlungerten, statt ins Bett zu gehen.
Nach einer langen und lustigen Mittagspause, in der die einen Joggen oder Shoppen gingen und die anderen irgendwelche Spiele spielten, wurde ein ganz tolles Spiel gespielt. Das Fußspuren-Spiel. Da diskutierten alle ganz schön über Kirche, Schönheit, Todesstrafe und was sonst noch als Thema im Raum stand.
Das war wirklich interessant und jeder konnte das sagen, was er selbst davon hielt.
… als ich dann so gegen zehn ins Polsterzimmer schlich, lagen dort fast alle mit ihren Decken vor einem Fernsehen und schauten sich den Film Club der toten Dichter an. Naja, es schauten nicht alle wirklich zu, viele oder die meisten schliefen fast die ganze Zeit und wachten nur an besonders spannenden Stellen mal kurz auf.
Aber nach dem Film waren wieder alle putzmunter und spielten und quatschten die halbe Nacht.
Der Mittwoch fing dann, noch vor dem Frühstück, mit einer Traum-Runde an. Da konnte jeder erzählen, was er so für Träume in der Nacht geträumt hatte. Doch es wurde eher zu einer ich-weiß-nicht-was-ich-geträumt-hab-Runde.
Ich huschte dann gleich nach dem Frühstück in den Gruppenraum, wo in der Mitte ein roter Stuhl stand. Auf den durfte sich dann jeder mal setzen und die außen durften ihm sagen, was sie gut an ihm finden und was sie ihm wünschen würden. Das war wirklich spannend und jeder Einzelne war ganz schön angespannt und nervös. Aber am Ende war doch fast jeder froh, auf dem Stuhl gesessen zu haben.
… der Nachmittag fiel dann ins Wasser, also spielten alle wieder ihre lustigen Spiele und besonders einer, der dankende Dominik, war besonders flink bei Ligretto dabei. Es war auch immer wieder so ein komischer Satz zu hören, nämlich Mülläääär, du de sechser rübber! also ein echtes Chaos-Spiel, aber jede Menge Spaß!
Abends wurde es auf einmal wieder ganz anders. Ich merkte schon recht früh, dass die Teamer ziemlich viel in der Kapelle vorbereiteten, also kroch ich da rein und versteckte mich in einem Palmen-Blumentopf und beobachtete, wie in der Mitte ein wunderschönes Bild entstand… bunte Tücher leuchteten heraus, Kerzen wurden angezündet und sogar Brot und Wein standen dabei.
Es dauerte nicht lange, da waren alle in diesem ruhigen Raum versammelt und der ritterliche Richard begrüßte alle zu einer Lebensfeier. Er versuchte den JUGENDLICHEN zu zeigen, dass zu unserem Glauben nicht nur dunkle Kirchen gehören, sondern viel mehr die Gemeinschaft und das Feiern!
Der Raum war so richtig mit einer schönen Atmosphäre gefüllt, die jeden ergriff…
… jeder stellte sein persönliches Natursymbol vor, Brot und Wein wurde geteilt und als Zeichen der Gemeinschaft umarmten sie sich alle herzlich und tauschten warme Worte aus.
Es war richtig schön, dass aus meinem Blumentopf heraus zu beobachten…
Nach einem ganz tollen Abschluss-Tanz, bei dem noch mal so richtig die Post abging, ging die Feier im Polsterzimmer weiter. Da bekam jeder ein leckeres Eis serviert, es wurde gesungen was das Zeug hält (Frösche weinen nie, gell Clemens) und der harte Kern spielte drei Stunden Mord in Palermo.
Ich glaube, so um fünf waren dann wirklich fast alle im Bett, oder schliefen zumindest mal kurz ein…
… dementsprechend wach krochen dann am nächsten, leider schon am letzten Morgen alle zum Frühstück.
Danach blickten alle noch mal zurück auf die vergangenen Tage und jeder durfte einen Brief an sich selbst schreiben. Ich schaute da bei einigen mal ganz genau hin… und ich glaub, das war für manche schon ein komisches Gefühl, so was an sich selbst zu schreiben.
Dann verbrannten sie die Zettel, auf der sie sich schlechtes aus ihrer Kindheit geschrieben hatten. Dabei wünschten sich die Meisten, dass sie sich bald wieder treffen würden…
… und Ruck Zuck wars dann auch schon zu Ende.
Also für mich war das eine ganz tolle Woche, mit jede Menge Gitarren-Musik, vielen Fröschen, die nie weinen, tollen Gesprächen, vielen unterschiedlichen, sehr interessanten jungen Menschen, jede Menge Spaß und einer unbeschreiblichen Atmosphäre.
… ja, das war mein Erlebnisbericht. Ich wünsche allen Teilnehmern, die jetzt ja keine Kinder mehr sind, dass das Sprungbrett ein echtes Sprungbrett in ihre Jugend und zu vielen neuen Erlebnissen war!
Bis bald, euer eddi, die edd-Maus
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