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Edd meets Uvikambi

Nachdem im letzten Jahr  unter dem Titel „Edd meets Uvikambi“ eine Gruppe Tanzaner die Jugendarbeit im Dekanat Alzenau kennenlernen durfte, traten im August drei Engagierte des Dekanatsteams Alzenau eine unvergessliche Reis an. Als Teil der CAJ-Delegation verbrachten Veronika Pistner, Markus Wissel und Christine Behl gemeinsam mit den CAJlern Martin Bernhardt, Andrea Karl, Jessica Sauer und Fabian Karmann vier Wochen in Tansania.

 

Seit nahezu zwanzig Jahren pflegt die Christliche Arbeiterjugend eine rege Partnerschaft zur UVIKAMBI, der katholischen Jugend der Diözese Mbinga im Südwesten Tansanias. Diese Partnerschaft lebt nicht nur durch gegenseitige Besuche, sondern auch durch von der CAJ unterstützte Projekte, welche die konkrete Lebenssituation der jungen Menschen in Mbinga verbessern sollen. Auch die Jugendlichen im Dekanat Alzenau tragen seit Jahren mit dem Verkauf von Weihnachtssternen zur Unterstützung dieser Projekte, wie zum Beispiel dem Bau eines Jugendzentrums, einer Schreinereischule oder einem Fischereiprojektes bei. Die Delegation konnte bei ihrem Besuch in verschiedenen Orten der Partnerdiözese Mbinga sehen, welche Unterstützung durch die Arbeit der CAJ und der 3-Sterne-Aktion möglich ist, wie kirchliche Jugendarbeit in Tansania aussieht und wie die Jugendlichen in der Partnerdiözese Mbinga leben.

Die Delegationsreise nach Tansania birgt zahlreiche Erfahrungen, Herausforderungen und Eindrücke, so dass die häufig gestellte Frage „und wie war’s in Tansania?“ kaum mit wenigen Sätzen beantwortet werden kann. Dennoch hier der Versuch, die Reise in drei Schlagworten einzufangen: Anders, Anstrengend, Bunt!

Anders: Anders ist so gut wie alles in Tansania. Nicht zuletzt hat auch die kirchliche Jugendarbeit in Mbinga wenig mit der Jugendarbeit im Dekanat Alzenau gemeinsam. Die Aktivitäten der einzelnen UVIKAMBI-Gruppen können von Ort zu Ort ganz unterschiedlich sein und sind nicht nur auf Freizeitaktivitäten, wie das Singen im Kirchenchor, beschränkt. So betreibt in der Stadt Mbinga eine Gruppe ein ausgetüfteltes Kleinkreditsystem, bei dem sich die vornehmlich schon erwachsenen Mitglieder monatlich treffen, Geld in einen Fond einzahlen und diesen als kurzes Darlehen wieder an die Gruppenmitglieder auszahlen. Dies ermöglicht den UVIKAMBI-Mitgliedern ein „small business“ zu betreiben, wie den Ankauf von Getreidesamen. Andere Gruppen auf dem Land, wie in Kindimbachini oder Lituhi, züchten gemeinsam Hühner oder betreiben Fischfang, um die Versorgung der Dorfbewohner mit Fleisch und Fisch sicherzustellen. Zeltlager und Gruppenstunden sucht man bei der katholischen Jugend Mbingas vergeblich.

Anstrengend: Anstrengend waren weniger der fehlende Strom, die schlechten Straßen  oder das Duschen aus dem Eimer, sondern vielmehr das Gefühl der Weiße – der „Mzungu“ – zu sein, ein Ausruf, welcher den Delegationsteilnehmern auf der Straße oft hinterhergerufen wurde. Wie geht man damit um, wenn Kinder beständig um Luftballons und Süßigkeiten betteln? Wie kann echte Partnerschaft zwischen den Jugendverbänden entstehen, wenn wir als „reiche Geldgeber“ auftreten und wahrgenommen werden? Wie geht man damit um, wenn man von dutzenden von Menschen angestarrt wird? Für die Delegationsteilnehmer war es eine interessante Erfahrung einmal selbst in der Minderheitsrolle zu sein und mit Vorurteilen ganz anderer Art konfrontiert zu werden.

Bunt: Wer sich Tansania als karges und vertrocknetes Land vorstellt liegt falsch. Die Berggegend um Mbinga hält neben rotem Staub, der sich unvermeidlich in der  Kleidung und auf der Haut festsetzt, eine Vielzahl an Pflanzen und Früchten bereit. Inmitten von Bananenstauden, Kaffeepflanzen, Avocado- und Orangenbäumen fühlt man sich bisweilen wie im Paradies. Bunt ist auch das Bild der Straßen, auf denen es immer Eindrucksvolles zu entdecken gibt. Da sieht man Frauen, die neben dem Baby auf dem Rücken noch zwei Reissäcken auf dem Kopf tragen, Fahrräder die mit sechs Getränkekisten beladen sind oder lebende Schweine, die auf dem Gepäckträger von Motorrädern transportiert werden. Und bunt waren nicht zuletzt die Begegnung mit den UVIKAMBIs, das Sprachengemisch aus Deutsch, Englisch, Kisuaheli, Hand und Fuß und die Gastfreundschaft, die sich insbesondere durch mehr als reichhaltiges Essen und ausdauernden Gesang und Tanz auszeichnete.

Nach nahezu drei Wochen in der Diözese Mbinga, unzähligen Stunden im Jeep, einer kurzen Stip-Visite bei den Tieren im Ruaha-Nationalpark und vier erholsamen Tagen auf Sansibar hieß es dann „Kwaheri na asante sana“ – Auf Wiedersehen und vielen Dank! Ein großes Dankeschön geht auch an das ehemalige Dekanatsteammitglied Hannah, die der Delegation ihre letztjährige Wahlheimat Mbinga zeigte und immer ihre Waschmaschine zum Kampf gegen den Mbingastaub zur Verfügung stellte.

Die vier Wochen in Tansania brachten nicht nur zahlreiche intensive Eindrücke und Erfahrungen für jeden einzelnen Delegationsteilnehmer mit sich, sondern haben auch gezeigt, wie wichtig es ist, weiterhin intensiv an einer gelebten Partnerschaft zu arbeiten, einen kritischen Blick auf die geförderten Projekte zu werfen und im gegenseitigen Kulturaustausch zu bleiben.

Hier findet ihr weitere Bilder der Delegationsreise.

Kommentare IconKommentare

  1. HannaH schrieb
    am 27.09.2011 um 21:38 Uhr

    Liebe Delegation,
    es war mir eine große Freude, euch mein Mbinga zu zeigen!
    Danke, dass ihr mich besucht habt und immer ein offenes Ohr für mich hattet!

    Asante sana!
    eure HannaH

  2. Richard Rosenberger schrieb
    am 29.09.2011 um 09:40 Uhr

    Ich finde den Bericht sehr ansprechend!!! Danke, Chris!

  3. Veronika schrieb
    am 30.10.2011 um 19:41 Uhr

    Toller Bericht, der genau beschreibt, was wir in Tansania/Mbinga erlebt haben. Jetzt heißt es: Die Erinnerungen gut im Herzen bewahren und in die Zukunft blicken. Schließlich gibt es – wie wohl bei jeder lebendigen Partnerschaft – immer etwas zu tun. Ich bin gespannt wies weitergeht.

  4. Martin schrieb
    am 30.10.2011 um 22:20 Uhr

    Eindrücke aus einem Monat Tansania auf einer Seite komprimiert … aber super getroffen. Es war ein Zeit voller spannender, amüsanter, bewegender, manchmal auch irritierender oder schockierender Erfahrungen. Spannend ist so eine Partnerschaft wohl immer, genauso, wie sie in Bewegung ist. Im Gespräch mit „Partnerschaftsurgesteinen“ kann man nur staunen, was sich schon so alles bewegt haben muss. Ich freue mich darauf an weiteren Bewegungen mitzuarbeiten und die Partnerschaft belebt zu halten.

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